szmmctag

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    Wir sind in Finnland gelandet
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    Unter dem Schutz der Sveaburg

  • Suomenlinna ist unser neue Zwischenstation

    Wir sind um 4 Uhr morgens wach und wollten erst um 5 Uhr aufstehen. Sollen wir fahren? Woher kommt der Wind? Wie hoch ist die Welle? Helsinki oder Porkala? Egal, wir starten: Noch schnell volltanken. Siehe da: Die Zapfsäule liegt auf 1,50 Meter Tiefe und wir haben 1,70! Ein blödes Manöver am frühen Morgen, bei dem ich mir noch den Anker krumm fahre. Drei Pullover und drei Hosen an, dicke Mütze, denn es ist saukalt. Seit dem Gewitter weht ein kalter Ostwind ( nicht politisch gemeint ). Der Wind scheint günstig, um uns nach Helsinki zu bringen, doch nach einer Stunde wird klar, dass wir den Kurs nicht halten können und weiter nach Norden schwenken müssen, die Welle mit etwas über einem Meter von schräg vorn. Die Charai surft auf der Welle, bis wir die Schären von Porkala erreichen. Der Wind dreht noch mal richtig auf wie immer, wenn wir uns auf das Anlagemanöver vorbereiten. Aber der Naturhafen ist gut geschützt. Immerhin sind wir nach Finnland gesegelt und mussten nicht motoren. Der Hafen ist so natürlich, dass es dort keinen Fernseher gibt, mit dem wir uns das Endspiel anschauen können, nachdem wir wegen der frühen Abfahrt aus Estland schon das Hollandspiel nicht sehen konnten. Mit einem langen Stromkabel begeben wir uns mit Laptop bewaffnet in die WLAN Zone. Mit einem Segler aus Berlin und einem Finnen schauen wir uns in der freien Natur bei Mondlicht und ebenfalls interessierten Mücken das Endspiel an. Dem Ergebnis folgend hat sich das ja auch gelohnt.
    Erwartungsgemäß hat der Wind am nächsten Morgen gedreht, windet aber dafür nicht mehr so richtig. So fahren wir zwischen den herrlichen Schären bei beginnenden Sonnenlicht, das auch noch immer wärmer wird!, nach Helsinki und legen uns dort in die Suomenlinna Marina direkt vor die berühmte Sveaburg. Rupert liegt seit einer Woche auch noch da und wir freuen uns auf ein gemeinsames Anlegerbier. Hier wird Charai erst einmal eine Woche bleiben, denn wir haben uns entschlossen, mit dem Bus nach Lovisa zu unseren Finnischen Freunden zu fahren. Bei diesem schwachen Wind der nächsten Tage hätten wir zwei Tage hin und gegebenenfalls zwei wieder zurück motoren müssen. Diese Zeit verbringen wir sinnvoller mit Freunden!

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    Zum Abschied wird aufgetanzt im Hafen. Morgen soll es weitergehen
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    Abendwanderung

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    Hafenidyll auf Der Insel Muhu
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    Besuch in Tallinn - ein bißchen viel Turis
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    Parkplatzeinfahrt zur Sinfonie

  • Estländische Reise

    Nun sind wir kurz vor Tallinn und sitzen wieder etwas fest, diesmal nicht wegen des Regens, sondern wegen des Windes. Er pfeift anständig aus östlicher Richtung, so dass wir nicht nur nicht in diese Richtung, in der aber Tallinn liegt, segeln können, sondern auch bei Motorfahrt eine Welle gegen uns haben. Also warten wir ab. Dabei hatte die Woche so schön angefangen. Von Kuvessaare ging es mit einem Riesenschlag von über 53 Meilen, Chantal hatte da plötzlich Lust zu!!! , in einen kleinen, neuen Hafen, den uns der Hafenmeister empfohlen hatte.ein kleiner Geheimtipp, weil er nicht auf der direkten Route nach Norden liegt: Lounaranna! Zwischendurch begegnen wir der "Seefliege" , die den gleichen Kurs, aber einen anderen Hafen ansteuert. Ein sehr freundlicher Hafenmeister empfängt uns mit selbstgebrauten ( handgemacht-wie er sagt) und es ist bis zum späten Abend ein herrlich warmer Sommertag. Es gibt einem das Gefühl, dass genug Zeit da ist, das Leben zu genießen. Wir gehen sogar abends noch in der Ostsee schwimmen. Das alles gibt genug Energie, um am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein auszulaufen und nach einem kurzen Trip von 15 Meilen und dem erfolglosen Versuch, die Makrelenangel zum Einsatz zu bringen, an einem Fährhafen, Kuivastu, festzumachen. Es herrscht Ferienstimmung. Der Hafen verfügt über sehr gute Einrichtungen. Nun noch einmal die Zähne zusammenbeißen und auf geht es 47 Meilen in knapp 10 Stunden nach Dirhami, dem nördlichen Eingangshafen in den finnischen. Meerbusen. Gut 10 Meilen vor der Ankunft überrascht uns ein Gewitter: Segel runter, Regenzeug anziehen und schon geht es los: Windböen und heftiger Regen zwingen uns, den Autopilot anschmeißen und das Unwetter unter der Sprayhood mit gelegentlichen Kurskorrekturen, zu denen der Starkwind zwingt, zu ertragen. Während in den letzten zwei Tagen überwiegend Flautenwind herrschte, können wir an diesem Tag immerhin fast ein Drittel segeln. Ab Dirhami geht es sogar mit zwei Dritteln der Distanz unter Segeln, allerdings müssen wir wegen des vorherrschenden Ostwindes 10 Meilen nach Norden fahren, um dann zu dem Hafen zu gelange, an dem wir uns jetzt befinden. Aus 26 wurden so doch 36 Meilen. Das gute Wetter bot dafür aber eine angemessene Entschädigung. Als wir in Dirhami losfuhren, erfuhren wir von Boris, dass Deutschland sein Spiel mit 7 zu 1 gewonnen hatte. Mangels TV im Hafen könnten wir das Spiel dort nicht sehen und freuten uns deshalb besonders das Hollandspiel über WLAN auf unserem Boot verfolgen zu können. Leider verlieren die Holländer, was den Spaßfaktor an diesem Abend etwas reduzierte, aber für den Finaltag größeres Unheil an. Bord vermied. Immerhin weht die Deutschlandfahne am Mast des Hafens. Nicht wegen des Fußballspiel, sondern unsertwegen. Seit einigen Häfen verfolgt uns der gute Brauch, dass der Hafenmeister die Nationalflaggen hisst, aus deren Länder Boote im Hafen sind.
    In den letzten drei bis vier Häfen überwiegen deutlich die finnischen Bootsfahrer, hin und wieder ist ein schwedischer oder deutscher zu sehen ( hier in Lohusalu sind wir die einzigen Deutschen), aber kein Pole, Litauer oder Lette, von Russen ganz zu schweigen. Auch das estländische Angebot an Segelyachten ist äußerst begrenzt.
    Die Hafenmeister in Estland waren im Gegensatz zu den Angaben im Küsten -und Hafenführer ausgesprochen hilfsbereit und zuvorkommend. Die Häfen entsprachen ebenfalls nicht den Beschreibungen, für die wir viel Geld ausgegeben haben. Sie waren durchweg anders, besser oder gab es auf jeden Fall nicht so, wie beschrieben. Ein Glück, dass wir wenigstens über das neueste Kartenmaterial verfügten -oder zumindest glaubten, darüber zu verfügen, weil wir es neu gekauft hatten. Dies gilt für den gesamten Fahrtenbereich mit Ausnahme eines zwei Kilometer breiten Streifens in der Rigaer Bucht. Dafür hatten wir ja die, wenn auch nicht allerneusten, Karten auf dem IPad. Die Detailansicht auf dem Plotter verschwand zu unserem Erstaunen bzw. Erschrecken schon in der Danziger Bucht.
    Heute waren wir schnell mit Bus in die Stadt Tallinn gefahren, um einige Sachen zu besorgen. Es ist eine wunderschöne, alte und in großen Teilen wieder aufgebaute Stadt. Allerdings kann einem der Tourismusstrom schon die Freude an diesem Ort vermiesen. Wann es weiter geht, wissen wir noch nicht, vor allem nicht genau wohin. Vielleicht geht es, sobald der Wind dies zulässt, direkt nach Helsinki. Wir sind ja jetzt große Schläge gewohnt.

  • In Estland angekommen

    Es hat aufgehört zu regnen, dafür steht jetzt Nebel im Hafen. Wir warten noch bis Mittag, dann wird die pitschnasse Kuchenbude zusammengepackt und in der Hoffnung losgefahren, dass der Nebel sich lichtet - so stand es wenigstens im Wetterbericht. Wir starten gleichzeitig mit der Seefliege und schalten das Radar an, ohne das man keine zwei bis dreihundert Meter weit sehen kann. Zu kurz, um auf ein größeres Schiff reagieren zu können. Schnell gerät die Seefliege aus dem Sichtfeld, bleibt aber im Radar und wir im Funkkontakt mit ihr. So fahren wir zuerst unter Motor, dann auch mit Segel, zuletzt wieder bei 1 Bft. mit Motor. Gegen Abend wird es etwas heller, so dass wir noch die Hafeneinfahrt erkennen können und siehe da: Alle anderen Mitsegler vom Vortag liegen noch am Steg von Pavilosta. Ein freundlicher deutscher Einheimischer lädt uns zum WM Spiel Deutschland gegen Algerien ein, es sind aber zwei Kilometer zu laufen. Diesen Aufwand hat das Spiel eigentlich nicht verdient.
    Am nächsten Morgen geht es weiter. Die Sicht ist zwar besser, dafür aber der Wind nicht. Aber alle wollen nach Ventspils in der Erwartung, dass diese Stadt bei schlechterem angesagten Wetter interessanter ist als das mittelalterliche, dörfliche Pavilosta. Nach dem siebenstündigen Ritt an der lettischen Dünenküste entlang erfüllt sich diese Erwartung allerdings nicht. Der Yachthafen ist schlecht und teuer und liegt in einem Industriehafen. Also am nächsten Tag wieder weiter. Wir verlassen "N"ettland ( denn im Gegensatz zu Litauen haben wir freundliche Menschen getroffen) und starten einen fast 10 stündigen Törn nach Montu in Estland. Dabei haben wir sonniges Wetter und guten achterlichen Wind. Da macht Fahrtensegeln Spaß. Gegen Abend kommen wir in Montu an, finden aber einen geschlossenen Hafen vor, außer einer Hohen Kaimauer, an der wir festmachen, ist sonst nichts. Wir sind noch drei Boote, die sich ins Päckchen legen. Rupert holt den Grill raus und so machen wir uns alle auf der Charai mit leckerem Wein einen schönen Abend. Zumindest brauchen wir ja keine Hafengebühren zu zahlen.
    Und wieder geht es weiter - zu einem vernünftigen Hafen: Kuvessaare. Der Schlag ist nicht so lang wie in den drei Tagen vorher und wir können mit gutem Wind von einem Hafen und den anderen segeln. Just dort angekommen, beginnt es wieder zu regnen und zu stürmen, so dass wir froh sind in einem sauberen Hafen mit einem freundlichen Hafenmeister zu liegen. Chantal ist schachmatt von den vielen Meilen, die wir in kurzer Zeit hinter uns haben ( immerhin 110 NM). So ist ersteinmal schlafen angesagt.
    Rupert weckt uns am nächsten Morgen mit der Nachricht, dass er sofort weiterfährt, weil er seine Freundin in Tallinn treffen möchte. Wir haben großes Verständnis dafür, bleiben aber trotzdem in Kuvessaare liegen. Ein bisschen Einkaufsbummel, Stadtrundgang und dann wieder schlafen bis zum WM Spiel Deutschland gegen Frankreich, das wir mit Gabi und Klaus, der Besatzung der Seefliege, anschauen. Der Abend endet zufriedenstellend und der nächste Tag dient ebenfalls der Erholung, zumal der Wetterbericht für die gesamte kommende Woche Sonne und Wind verspricht. Gabi und Klaus verlassen ebenfalls Kuvessaare und wollen weiter zu den Alandinseln. Günther von der Thule ist bereits ab Ventspils in Richtung Riga gefahren, so dass nun alle Boote, die die letzte Strecke von mehr als 300 Seemeilen zusammen waren, ihre eigenen Wege gehen. Ob wir noch einmal den ein oder anderen wieder treffen, ist höchst fraglich. Wir erkunden noch mal ausgiebig die Stadt und die in Hafennähe liegende "Ahrensburg" und freuen uns auf das Spiel Holland gegen Costa Rica.
    Morgen geht es dann weiter in Richtung Norden zu einem Hafen, von dem hier keiner weiß, ob er noch existiert. Wir sind gespannt.

  • Nun sitzen wir im Dauerregen fest

    Unser Boot liegt noch gut bewacht in Kleipeda, als wir dort nach unserem Aufenthalt in Nida ankommen und verpassen leider das Wm Spiel gegen USA. Am nächsten Tag kommen auch die anderen Boote, so dass wir wieder zu viert von Kleipeda aus nach Liepaja in Lettland starten. Der Wind kommt zwar aus der richtigen Richtung - O SO - , aber leider nicht regelmäßig mit der Stärke, die unsere Charai braucht, um mit achterlichen Wind wenigsten 3 Knoten machen zu können. So wird in Abschnitten auch der Motor zur Hilfe genommen, um für die immerhin fast 55 Meilen nicht 20 Stunden brauchen zu müssen. Wir kommen als erste im Yachthafen an, dessen freundlicher Hafenmeister am Ende eines Industriehafens an einem Längststeg auf seine Gäste wartet. Freundlichkeit war in Litauen nicht sehr angesagt. Hier hat man dagegen das Gefühl, Willkommen zu sein. Mit Rupert, dem Hamburger Musiker, wird noch an Absacker getrunken und dann kommt auch schon der Regen, der partout nicht aufhören will und uns zu einem weiteren Liegetag zwingt. Nach Riga mit dem Bus zu fahren macht auch keinen Sinn, weil es dort auch regnet. Rupert ist genervt, er fährt trotzdem in den nächsten Hafen nach Pavilosta. Na ja, wir werden ihn irgendwo wieder treffen.
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    Mutter hatte Recht: Die Dünen auf der Kurischen Nehrung sind einmalig - riesengroß passen sie sich malerisch dem schmalen Streifen zwischen See und Haff an

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    Unsere Charai vor Kleipeda
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    Der Putin/Schröder Teil von Kaliningrad
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    Das waren noch Zeiten!!
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    Das Sommerhaus von Thomas Mann in Nidda. Hier läßt sich entspannen und gute Bücher schreiben, besser lesen.

  • Kaliningrad

    Als um 5Uhr der Wecker schellt und wir an der Bordwand den Regen prasseln hören, wird uns schlagartig klar, dass wir mit unserem halbstündigen Fußmarsch zum Busbahnhof ein Problem haben werden, denn ein Schirm gehört nicht zur Grundausstattung einer Segelyacht. Also wird schnell eine Internetverbindung gekauft, um ein Taxi bestellen zu können. Nachdem über eine der angegebenen Telefonnummern eine Verbindung hergestellt ist und ich der wohl nicht ganz ausgeschlafenen Dame unseren Standort verdeutlichen kann, teilt sie mit kurzerhand mit, dass es kein Taxi gibt. Der Regen läßt uns eine Lücke, bei der wir aus unserer Kuchenbude schlüpfen und den Marsch antreten. Als wir an einer Nachtbar vorbeikommen , wissen wir, warum es kein Taxi gibt. Sie standen alle dort. Mit Bus und Fähre geht es über den Memelkanal auf die Kurische Nehrung, die Litauen zum geschützten Nationalpark erklärt hat. Wir fahren durch eine Mischung von Heidelandschaft und finnischen Wäldern entlang des schmalen Streifens zwischen Haff und Ostsee. Der Blick auf beide bleibt uns jedoch wegen der Bewaldung verschlossen, gelegentlich taucht ein Stück des Haffes auf. Kurz hinter Nida kommt das, wonach sich einige Eu-Bürger sehen: jede Menge Schlagbäume, zwischen denen zuerst die Litauer eine gute halbe Stunde unsere Pässe prüfen und die Russen uns an ihren Passhäuschen Spalier stehen lassen( die Rückreise wird auf der litauischen Seite noch schlimmer: Willkommen in der EU ) Ich hatte mich schon gewundert, warum der Bus für gut 100 Km mehr als vier Stunden braucht. Der russische Teil der Nehrung sieht verständlicherweise nicht viel anders aus als der litauische und so nähern wir uns Kaliningrad, der Hauptstadt der EnklaveRusslands und der früheren Provinz Ostpreußen, die vom Deutsch Orden gegründet, nach einem dort lebenden Volk der Pruzzen der Welt als das Preußen bekannt wurde. Es erinnert auf den ersten Blick nichts mehr an diese Zeit und Tradition. Es ist eine russische Stadt, in der wir ohne einen Rubel in der Tasche ankommen und feststellen, dass die Bankautomaten unsere Geldkarten nicht mögen. Eine Art Wechselstube ist nicht zu sehen bzw. zu lesen, denn man kann absolut nichts lesen, alles ist in kyrillisch geschrieben. Zu allem Unglück habe ich auch unseren ausführlichen Königsberger Reisführer in Berlin liegen gelassen. Und so laufen wir wie zwei Blindfische durch diese Großstadt, um unser Hotel zu finden, das wir noch am Vorabend gebucht hatten. Dank russischer Internetverbindung findet unser HandyNavi die absolut gute und empfehlenswerte Unterkunft, in der wir dann mit Karte und weiteren Information ausgestattet werden. Da der Plan die Stadt in lateinischen Buchstaben darstellt, die mit der Straßenschilderrealität aber nichts zu tun hat, dauert es, bis wir die Tourismus Information gefunden haben, die uns erklären kann wie man im Cashtauschverfahren an Bargeld kommt. So mit Rubel ausgestattet läßt sich fröhlich Kaliningrad erkunden. Das Bernsteinmuseum gibt einen fantastischen Eindruck vom "Gold" dieses Landstriches und seiner Verarbeitung. Die Stadt selbst hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck: viele modern aussehende und sich so auch verhaltene junge Menschen bewegen sich in einer zum Teil völlig vergammelten Infrastruktur von Straßen und Häusern, dazwischen hochmoderne und architektonisch auffallende Neubauten. Man muss hier aufgewachsen sein, um ein Flair zu verspüren. Am nächsten Tag spüren wir die wenigen noch verbliebenen Reste des alten Königsberg auf, dazu gehört insbesondere der Dom mit dem Museum, das Emanuel Kant gewidmet ist. Das meiste an Restbauwerken, was der Krieg noch übrig gelassen hatte, wurde auf Geheiß von Breschnew gesprengt. Dafür haben Putin und Schröder der Stadt zur 750 Jahrfeier der Stadt in 2006 einige Bauten im traditionellen Stil oder entsprechende Renovierungen zur Verbesserung des Stadtbildes gestiftet. Wir verlassen Königsberg nicht, ohne seine Klopse und sein Bier genossen zu haben in Richtung Nida, der kleinen Stadt in Litauen, die Thomas Mann zu seinem Sommersitz erwählt hatte. Man kann sich leicht vorstellen, dass die Besorgung der Tickets wieder eine echte Herausforderung war und uns die Lebenssituation unseres in Peking lebenden Neffen nachvollziehbarer macht.

  • Die Nacht ist kalt!

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    " Wollt ihr jetzt mit?" Was jetzt? Wir hatten uns aus Sonntag mit dem großen Sprung über den Teich eingestellt! Drei der Boote, die uns seit Kolberg begleitet haben werden ungeduldig. Nach einem Blick in die Wettervorhersage geben wir ihnen einen Korb. Die Welle ist uns mit 2 Meter noch zu hoch und für die nächsten Tage ist guter Westwind mit 3-4 Bft. angesagt. Also entscheiden wir uns, am Samstag, den 21.6 mithin einen Tag früher als geplant die Leinen los zu werfen und geradewegs mit 60Grad Kleipeda anzusteuern. Die blaue Himmel vor uns, die dunklen Wolken der Regenfront achteraus. Statt der angesagten Westwinde kommt der Wind von Ost. Was soll's? Nach 4 Stunden wird er allerdings so gering, dass wir den Motor zu Hilfe nehmen müssen. Gegen 14.00 Uhr erreichen wir die russische Grenze und damit ein Militärisches Sperrgebiet, von dem uns niemand sagen konnte, ob wir es durchqueren können. Auch Internetrecherchen brachten keinen Erfolg. Ob ausgerechnet an einem Samstag Krieg geprobt wird? Wir entscheiden uns für nein und fahren weiter unseren Kurs, denn ansonsten hätten wir einen Riesen Umweg einrechnen müssen. An Nachmittag wird der Wind wieder gnädig und läßt uns ohne Motorkraft zunehmend mit Südwestwind - immerhin etwas West!- segeln. Plötzlich taucht ein russisches Militärboot am Horizont auf und begleitet uns eine ganze Weile. Nach einer gewissen Zeit und sicherlich nach Rücksprache mit Putin, gibt der Kreutzer Gas und verschwindet in Richtung Gotland. Also kein Stress mit den Russen am Wochenende!
    Mit den Einschalten der Positionslichter und der eintretenden Dunkelheit wird es kalt im Cockpit. Mit Bouillon und Cola versuchen wir warm und wach zu bleiben. Kurz nach Mitternacht überqueren wir die Grenze nach Litauen und verlassen damit auch das besagte Sperrgebiet. Es ist einsam und kalt. Mehr als 15 Stunden lang haben wir kein Land und auch kein Boot - mit der einen besagten Ausnahme - gesehen. Es ist die Zeit und Gelegenheit über alles, aber auch alles nachzudenken oder nachzudösen. Mit dem Auftauchen erster Fischerboote an der litauischen Küste überholt uns die Regenfront und bringt uns zu der Kälte noch die Nässe und einen Wind, der das Boot in einer unangenehmen Welle vor sich her treibt: Es geht nicht nur auf und ab, sondern auch hin und her. Gegen 6Uhr erreichen wir die Einfahrt in den Memelkanal und melden uns ordentlich per Funk an. Im Kanal selbst werden wir plötzlich von der litauischen Küstenwache mit grellen Signaltönen zum Ufer beordert. Warum wir uns denn nicht angemeldet hätten? Haben wir doch! Allerdings nicht auf dem Kanal, den sie abhörten. Nun gut, dann aber wieder ordentlich abmelden, wenn wir Litauen verlassen!!
    Im Kastelhafen finden wir noch keinen Liegeplatz und warten davor mit einem schnellen Mützchen Schlaf bis wir gegen Mittag einen zugewiesen bekommen. Nun ist nach einem 23 1/2 stündigen Törn Pause angesagt. Einer der Eigner, die einen Tag früher gestartet sind und länger gebraucht haben, liegt mit Motorschaden im Hafen. Wir spenden mit einem Bier und Nudelgericht (endlich mal wieder!) Trost.
    Kleipeda ist eine moderne Stadt, die sich im nachsozialistischen Aufbau befindet. Es macht Spaß durch die Straßen zu bummeln. Wir kaufen Tickets für die Fahrt nach Kaliningrad und entscheiden uns damit gegen eine Segeltour nach Nida, denn für die nächsten Tage ist Nordwind angesagt. Damit kämen wir gut hin, aber mit Segel nicht mehr zurück.

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